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KOPATZ FOTOGRAFIE: CANON EF 8-15 MM F4 USM FISHEYE-OBJEKTIV - TEST UND REVIEW

Januar 2013 | Praxis-Test | Weltweit
Canon EF 8-15 mm f/4 L USM Fisheye Objektiv

EINFÜHRUNG

Mit dem EF 8-15 mm f/4L Fisheye Objektiv beschreitet der japanische Kameraspezialist Canon neue Wege. Das 8-15 mm Fisheye Objektiv vereint Fisheye-Optik mit Zoom-Funktionalität und bietet hierdurch eine sowohl für Vollformatkameras als auch für ASP-C optimierte Darstellung. Mit einer Anfangsbrennweite von 8 mm verfügt die Linse zudem über die kleinste aktuell im Canon-Portfolio angebotene Brennweite. Die hierdurch erzielbare kreisrunde Abbildung (bis zu 180 Grad Bildwinkel) war bisher weit teureren Spezialoptiken vorbehalten.

Canon 8-15 mm Fisheye: Detailaufnahme - Natur Canon 8-15 mm Fisheye: Landschaftsaufnahme Canon 8-15 mm Fisheye: Wald-Panorama
Naturaufnahmen mit dem Canon 8-15 mm Fisheye.

Unser Objektiv befindet sich nun seit geraumer Zeit im Praxiseinsatz und so bestand ausreichend Zeit, es gründlich zu erproben. Unsere Erfahrungen mit dem Canon Fisheye möchten wir im Folgenden mit Ihnen teilen. Dieser Praxistest beschäftigt sich daher nicht nur mit der allgemeinen Beschaffenheit der Optik, sondern auch mit den Leistungen und den Verwendungsmöglichkeiten der Linse unter alltäglichen Bedingungen.


VERARBEITUNG UND ERSCHEINUNGSBILD

Die Haptik und Verarbeitung des EF-Objektivs sind hochwertig und lassen auch bei genauer Betrachtung und längerer Handhabung keine Mängel erkennen. Sämtliche Verbindungsstellen und Anschlüsse sind sauber gearbeitet und fügen sich nahtlos ineinander. Die Fokussierung erfolgt wahlweise automatisch oder manuell. Der Autofokus arbeitet dabei wie bei den L-Objektiven von Canon üblich mit einem leisen und zugleich schnellen Ultraschallmotor. Bei manueller Fokussierung arbeitet die Optik präzise und ohne Spiel, was ein sicheres Arbeiten ermöglicht.

Zum Lieferumfang der Linse gehört die Streulicht- bzw. Sonnenschutzblende (Canon EW-77) und der spezielle Objektivdeckel (Canon Lens Cap 8-15), sowie ein Aufbewahrungsbeutel (Canon LP1219). Bedauerlich ist, dass Canon auf die Beilage eines höherwertigen Behältnisses bzw. einer formstabilen Transporttasche verzichtet. Immerhin bewegt sich das EF 8-15mm f/4 USM mit einem Straßenpreis von rund 1250 Euro im gehobenen Objektiv-Preissegment. Andere Hersteller wie etwa Sigma sind hier umsichtiger und statten bereits deutlich preiswertere Objektive mit gepolsterten und robusten Transporttaschen aus. Schade, dass Canon hier auf einen einfachen und ungepolsterten Beutel setzt, der lediglich als Staubschutz zu verwenden ist.

Canon 8-15 mm Fisheye: Objektiv mit Objektivdeckel "Canon Lens Cap 8-15" Canon 8-15 mm Fisheye: Linsenwölbung ist erkennbar Canon 8-15 mm Fisheye: Objektiv mit Sonnenschutzblende "Canon EW-77"
Canon 8-15 mm f/4L Fisheye.

Insofern obliegt es dem Fotografen, die Optik für den Transport solide zu verpacken, was mit Blick auf die stark gewölbte Frontlinse des Fisheye-Objektivs auch durchaus angeraten ist. Diese erhebt sich weit über den Abschluss des Objektivtubus hinaus und offenbart bei einer seitlichen Ansicht (vgl. Bild 2) eine beachtliche Wölbung. Dies ist auch bei der praktischen Benutzung von Bedeutung, da die Linse den exponiertesten Punkt des Systems bildet. Insbesondere bei Aufnahmen im Makrobereich besteht daher die Gefahr einer Kollision von Linse und Motiv. Es ist deshalb zu empfehlen, die beiliegende Streulichtblende als Schutz der Optik auch bei unkritischen Lichtverhältnissen montiert zu lassen. In dieser Hinsicht kommt zudem eine weitere Eigenheit des Fisheye-Systems zum Tragen, der zugehörige Objektivdeckel lässt sich nicht auf das Objektiv selbst, sondern ausschließlich auf die Streulichtblende montieren. Dies ist an sich weder positiv noch negativ zu bewerten, sollte jedoch bei Transport und Verwendung des Fisheye-Objektivs bedacht werden.

Canon 8-15 mm Fisheye [bearbeitet]: Wiese mit Raureif in der Abendsonne Canon 8-15 mm Fisheye [unbearbeitet]: Kein Fisheye-Effekt sichtbar Canon 8-15 mm Fisheye [unbearbeitet]: Chromatische Aberrationen der Linse
Canon 8-15 mm @ 15 mm an 5D Mark II: Frosch-Perspektive.

Insgesamt erscheint diese Konstruktion aus Streulichtblende und Objektivdeckel nicht vollständig ausgereift. Sowohl der Deckel zur Abdeckung als auch der Blendenaufsatz lösen sich bei Kontakt mit der Polsterung in einigen Fototaschen teilweise autonom vom Objektiv. Obgleich dies nur sehr selten geschieht handelt es sich hierbei um einen nennenswerten Punkt an welchem Canon wohl nachbessern sollte. Das Objektiv ist daher nicht in jeder Tasche problemlos transportierbar, weshalb darauf geachtet werden sollte, der Linse beim Transport nicht zu viel Spiel zu geben, um ein versehentliches Verrutschen der Linsenabdeckung zu verhindern.

Erwähnenswert ist zudem die Fluor-Vergütung der Frontlinse welche, laut Canon, eine leichtere Reinigung bei Verschmutzung ermöglicht, sowie die Gummidichtungen am Objektivgewinde, die ein Eindringen von Schmutz und Feuchtigkeit ins Innere des optischen Systems verhindern sollen. Mit einem Gewicht von knapp über 500 Gramm rangiert das Objektiv im mittleren bis leichteren Bereich der Canon Objektive. Gemessen an einigen L-Zoomoptiken handelt es sich geradezu um ein Leichtgewicht. Daher tritt auch in Kombination mit einem professionellen Body kein größere Ermüdungserscheinung beim Benutzer ein, das gesamte System liegt - subjektiv - leicht und gut in der Hand.


VOLLFORMAT, APS-H UND APS-C

Das 8-15 mm Fisheye ist ferner eine der ersten Linsen aus dem Hause Canon, welche von Anfang an sowohl für die Verwendung als Vollformatlinse als auch an APS-C-Systemen konzipiert wurde. Hieraus ergeben sich einige Besonderheiten und Unterscheidungen an den verschiedenen Systemen. Wird die Linse an eine Kamera mit Vollformatsensor (36 mm x 24 mm) montiert und eine Brennweite von 15 mm eingestellt so ergibt sich eine bildfüllende Abbildung. Doch bereits eine leichte Veränderung der Brennweite fördert an den Rändern Abschattungen und schwarze Flächen zu Tage. Diese sind bereits bei 14 mm sichtbar und spätestens ab 13 mm sehr präsent. Bei 8 mm Brennweite ist schließlich eine kreisrunde Abbildung erreicht.

Bildkreis-Objektiv zu Sensorfläche: Vollformat Bildkreis-Objektiv zu Sensorfläche: APS-H Bildkreis-Objektiv zu Sensorfläche: APS-C
Vergleich Bildkreis zu Sensorfläche von Vollformat zu APS-C.

In der Fotopraxis an einer Vollformatkamera sind daher die Zwischenbrennweiten eher von geringem Interesse. Eine Fischaugenansicht mit schwarzen Ecken wirkt in der Regel unharmonisch und technisch unsauber. Daher liegt es nahe an Kameras wie der 1D X der 5D oder der 6D die beiden Brennweitenextreme von 15 mm bzw. 8 mm zur benutzen. Auf 15 mm erzeugt die Linse so im Vollformat ein bildfüllendes Fischaugenfoto, wohingegen sie auf 8 mm Brennweite eine kreisrunde Abbildung erzeugt mit schwarzen Rändern. In der Tat ist dies weniger dramatisch als es zunächst klingen mag, auf die Zwischenbrennweiten kann in aller Regel getrost verzichtet werden und tatsächlich lassen sich so mit einer Linse zwei spektakuläre Perspektiven erzeugen, ganz nach Wunsch.

Canon 8-15 mm Fisheye [bearbeitet]: Wiese mit Raureif Canon 8-15 mm Fisheye [unbearbeitet]: Wiese mit Raureif Canon 8-15 mm Fisheye [unbearbeitet]: Raureif und Eiskristalle
Canon 8-15 mm @ 15 mm an 5D Mark II: Naturaufnahme.

Für Kameras im APS-C (22,5 mm x 15 mm) oder APS-H  (27,9 mm x  18,6 mm) Format stellt sich die Situation abweichend dar. So beginnt der "volle" Fisheye-Bereich bei APS-H bei etwa 12 mm und bei APS-C bei rund 10 mm, im Vergleich zu 14 mm bei einem Vollformatsensor. Hinzukommt, dass in beiden Sensorformaten der Bereich der kreisrunden Darstellung bei 8 Millimetern entfällt. Zu sehen ist bei dieser Brennweite vielmehr ein fischaugenartiges Bild mit schwarzen Rändern. Wie auch beim Vollformat gilt, dass diese Darstellung in der Regel nicht gewünscht oder wenig vorteilhaft ist.

Canon 8-15 mm Fisheye [bearbeitet]: Wirtschaftsweg zwischen Feldern Canon 8-15 mm Fisheye [unbearbeitet]: Kreisrunde Abbildung mit schwarzem Rand Canon 8-15 mm Fisheye [unbearbeitet]: Verzerrungen und Farbsäume
Canon 8-15 mm @ 8 mm an 5D Mark II: Kreisrunde Abbildung.

Daraus ergibt sich, dass im Vollformat-Bereich somit quasi zwei Abbildungsmodi zur Verfügung stehen, die klassisches Fisheye Ansicht und eine kreisrunde Darstellung mit schwarzem Rand. Unter APS-C und APS-H reduziert sich dies auf die normale Fisheye-Darstellung, da eine kreisrunde Variante auf der kleineren Sensorfläche nicht mehr abgebildet werden kann.


VERWENDUNG

Im praktischen Einsatz bieten sich für das Canon EF 8-15 mm f/4L Fisheye zwei in besonderer Weise geeignete Verwendungsmöglichkeiten an. Der größte und wohl wichtigste Vorteil dieser Objektivs gegenüber anderen Linsen ist das große Gesichtsfeld. Daher eignet es sich hervorragend für Aufnahmen, die einen großen Sichtbereich umfassen sollen. Dies können beispielswiese sehr großflächige Landschaftsaufnahmen sein, oder aber auch Innenraumaufnahmen, die unter begrenzten Platzverhältnissen zu Stande kommen und gleichwohl größere Teile des Raumes abbilden sollen. Durch die Fisheye-typische Verzerrung lassen dabei auch interessante Effekte erzielen, zugleich sorgt dies jedoch insbesondere in Innenräume für eine zusätzliche Unruhe im Bild. Es ist insoweit an Abwägen erforderlich. Ein Fisheye-Objektiv stellt daher auch keinen Ersatz für klassisches Weitwinkelobjektiv dar.

Canon 8-15 mm Fisheye [bearbeitet]: Kupplungsauge an Deichsel Canon 8-15 mm Fisheye [unbearbeitet]: Kupplungsauge an Deichsel Canon 8-15 mm Fisheye [unbearbeitet]: Raureif in der Bildmitte
Canon 8-15 mm @ 15 mm an 5D Mark II: Kreative Perspektiven.

Durch die kurze Naheinstellgrenze von lediglich 15 cm eignet sich das Canon 8-15 mm zudem erstaunlich gut für spektakuläre Detailaufnahmen. Pflanzendetails, technische Gegenstände oder auch Gesichter erhalten aus der Nähe betrachtet durch den typischen Fisheye-Look dramatische bis komische Züge. Hinzu kommt der sehr angenehme Effekt, dass neben dem abgebildeten Objekt auch noch große Teile der Umgebung erkennbar sind, so dass sich das Hauptmotiv angenehm in die Umgebung einfügt.


VIDEO

Ebenfalls spektakulär ist die Verwendung des 8-15 mm f/4L Fisheye in Video- bzw. Filmproduktionen. Durch die außergewöhnliche Perspektive gewinnen Verfolgungsjagden, Vlogs oder Sportaufnahmen eine völlig neue Dimension. Durch die sehr kurze Brennweite können dabei auch per Hand geführte Aufnahmen noch relativ verwacklungsarm aufgezeichnet werden, bzw. liefern ein angenehmes Betrachtungserlebnis.


FAZIT

Das Canon EF 8-15 mm f/4L Fisheye ist ein außergewöhnliches und spektakuläres Objektiv. Auf Grund seiner einzigartigen optischen Eigenschaften eignet sich nicht unbedingt für den täglichen Einsatz, stellt dafür in der richtigen Situation die optimale Ergänzung zum klassischen Linsen-Portfolio dar. Die optische Qualität sucht im Fischauge-Bereich ebenfalls seinesgleichen und lässt einen so beinah die Irrwitzgen Bildwinkel (bis zu 180°) vergessen. Wer den stattlichen Preis nicht fürchtet und nach dem besonderen Extra in seiner Objektiv-Sammlung sucht, der findet im Canon EF 8-15 mm f/4L das richtige Objektiv für diese Aufgabe.

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SHORT-FACTS

Markteintritt: August 2011
Preis: ca. 1250 Euro

Gewicht: 540g


SENSOR-FORMATE

VOLLFORMAT
Abmessung: 36 mm x 24 mm
Sensorfläche: 864 mm² [100 %]

ASP-H
Abmessung: 27,9 mm x  18,6 mm
Sensorfläche: 518,94 mm²  [60 %]

ASP-C
Abmessung: 22,5 mm x 15 mm
Sensorfläche: 337,5 mm² [39 %]
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